31.01.2005: Die Biosiegel-Kontrolleure kommen ohne Anmeldung

Im Kooperationsnetz Schule / Wirtschaft (KSW) Mettmann kooperiert mittlerweile jede zweite Schule des Kreises mit einem Unternehemen in der Nachbarschaft. Hier ein Bericht über einen Unterrichtsbesuch eines Partnerunternehmens.

Mucksmäuschenstill ist es im Naturwissenschaftsunterricht der Klasse 10 von Lehrer Swen Albrecht. Gespannt warten die Heiligenhauser Gesamtschüler auf den Besuch von Metzgermeister Wilfried Tyroff.

Und dann ist er da - 25 neugierige Augenpaare richten sich auf den Chef der Bio-Feinkostmetzgerei, der in seiner blauweiß gestreiften Berufsbekleidung vor der Tafel steht. Aus der Ruhe bringt ihn die Situation nicht, denn Tyroff war bereits in etlichen anderen Klassen seiner Partnerschule zu Gast. Mitgebracht hat er einen ansprechenden Kurzfilm über sein Handwerk. Die Schüler bekommen einen Einblick in die Vielseitigkeit des Fleischerberufs, die sich keineswegs nur auf den Verkauf von Schnitzel, Steaks und Bratwurst beschränkt. Dass der Beruf Kreativität verlangt, etwa bei der Gewürzauswahl in der Wurstproduktion, oder die Herstellung von Schinken eine Wissenschaft für sich ist, hatten die Zehntklässler bislang nicht vermutet.

Der Einstieg in die Unterrichtsstunde ist geglückt, eine Vorstellung von dem Berufsbild haben die Mädchen und Jungen nun. Jetzt kann die Klasse ihre Fragen loswerden. Kritische Töne werden laut: "Wie werden Tiere geschlachtet?" Tyroff nimmt kein Blatt vor den Mund und erklärt, dass Tiere in konventionellen Schlachthöfen zu Tausenden vergast werden. Biofleisch hingegen geht auf eine stressarme Schlachtung zurück.

Keinen Hehl macht der Bio-Metzger daraus, dass die Waren in der Bio-Feinkostmetzgerei teurer als in einer konventionellen Fleischerei sind. Wie sich der Preis zusammensetzt, erklärt er am Beispiel von 100 Gramm Schinkenschnitzel: 49 Cent mehr kostet sein Produkt von "glücklich" aufgewachsenen Schweinen. Aber sind glückliche Tiere wirklich der Grund, auf Biofleisch umzusteigen, fragt ein Schüler. "Die ethischen Aspekte sind für die Kunden entscheidend", so Tyroff, "beim Biofleisch weiß ich zum Beispiel, dass die Tiere ohne Zusatz von wachstumsfördernden Antibiotika groß geworden sind". "Wer garantiert das?", kontern die Schüler. Tyroff erklärt das Vorgehen der unangemeldeten Kontrolleure, die für die Vergabe von Biosiegeln zuständig sind. Die Schüler haben noch viele andere Fragen - der Handwerker beantwortet alle, für ihn gilt: "Transparenz ist das A und O in unserer Branche".

Das Klingelzeichen setzt dem zunächst ein Ende. Aber Wilfried Tyroff regt an, dass die Klasse ihn am Isenbügeler Platz besuchen kommt. Die Schüler wollen die Einladung gerne annehmen.

Die Lernpartnerschaft zwischen der Gesamtschule und der Bio-Metzgerei ist Bestandteil des Kooperationsnetzes Schule / Wirtschaft (KSW) im Kreis Mettmann, das vom Kreis Mettmann und der IHK Düsseldorf getragen wird. Mit dem KSW unterstützen die Projektträger dauerhafte Kontakte zwischen Unternehmen und Schulen und tragen damit zur Standortsicherung bei.

Weitere Informationen zum Kooperationsnetz Schule-Wirtschaft (KSW) finden Sie unter www.ksw-mettmann.de.