10.01.2007: Die Entstehung einer Faltschachtel
Schüler der Kastelberg- schule auf Erkundungstour bei der Firma August Faller
Früh morgens versammelten sich Schüler zur Betriebserkundung auf dem Gelände der Faller KG. Aufgeteilt auf die zwei Werke in Waldkirch erkundeten die beiden fünften Klassen der Kastelbergschule die Arbeitsstätten ihrer Partnerfirma. Dabei lernten die Schüler aufeinander aufbauend alle Schritte der Herstellung einer Faltschachtel kennen - von der Druckvorbereitung, über die Farbküche bis hin zur Produktion der fertigen Faltschachtel.
Zentraler Treffpunkt zwischen den Besuchen der einzelnen Abteilungen in Kleingruppen war immer wieder der Aufenthaltsraum. Schüler und Arbeiter beäugten sich dabei neugierig und es herrschte eine interessierte, belebte Stimmung. Nach einer kurzen Anwärmphase tauten die Schüler auf und nahmen auch den Sozialraum ihres Partnerunternehmens genauer unter die Lupe. "Die Cola kostet hier nur 50 Cent. Voll billig!" lautete eine ganz wesentliche Erkenntnis. Aber der Automat war nur für kurze Zeit im Focus des Schülerinteresses, denn dann ging es wieder in die Arbeitsräume der Faller KG.
Nach dem Motto "Kontrolle ist alles!" erlebten die Schüler sehr anschaulich das Tätigkeitsfeld in der Druckvorbereitung. 60% der Arbeit besteht aus Kontrolle der Druckmaterialien und nur 40% aus Bearbeitung/Herstellung. "Wenn hier ein Fehler gemacht wird ist der Schaden schon fast nicht mehr zu beheben" betonte der Abteilungsleiter. Und gewisse Fehler können gravierende Folgen haben, gerade in der pharmazeutischen Sparte. Wenn beispielsweise bei den Angaben der Inhaltsstoffe ein Komma fehlt und so aus 1,5 plötzlich 15 mg eines Stoffes werden, kann es zu einer falschen Medikamentendosierung führen, deren Auswirkungen für den Patienten schwerwiegend sein können.
Um diese wichtigen Kontrollaufgaben einmal praktisch zu erfahren sollten die Schüler über Blickkontrolle Fehler entdecken und dabei erfahren, wie schwer und anstrengend es ist jeden kleinen I-Punkt auf einer Folienmatritze mit grellem Kunstlicht zu überprüfen. Dementsprechend schnell wurde den Schülern klar, dass eine visuelle Kontrolle allein nicht mehr ausreicht und Computerprogramme diese diffizile Aufgabe zum Großteil übernehmen müssen.
In der Farbküche wurde den Schülern anfangs der Zusammenhang von Farben und Licht erklärt. Anschließend ging es schnell in die Praxis. Als erstes wählten die Schüler aus einem Fächer aus hunderten von Pantone-Farben eine Farbe aus. Dieser Entscheidungsprozess glich einer kleinen Teamaufgabe ehe sich die Gruppe auf eine Farbe einigen konnte. Daraufhin wurde diese Farbe über einen Spektralmesser von den Schülern in den Computer eingelesen und der Rechner spuckt etliche Farbrezepte aus. Es entspricht zwar nicht mehr dem Arbeitsalltag, aber um den Schülern die grundlegende Arbeit zu verdeutlichen wurde die gewählte Zielfarbe von Hand gemischt. Die Bedeutung des genauen Arbeitens wurde dabei schnell von den Schüler erkannt.
Bei dem abschließenden Blick in den Mischtopf entdeckten die Schüler am Ende so gar nicht den ausgewählten Farbton. Jedoch wurde durch sehr dünnes Auftragen aus dem konzentriertem Dunkelblau im Farbtopf ein helles, strahlendes Blau. "Mit einem Gramm Farbe kann ich ein Quadratmeter sprich eine halbe Wohnungstür streichen!" war die Erklärung und parallel wurde auf der Waage gezeigt wie wenig ein Gramm ist. Am Ende des Besuchs in der Farbküche nutzten die Schüler noch einmal die Chance ihre vielfältigen Fragen an den Mann zu bringen. Ein buntes Potpourri an Fragen wie beispielsweise: "Malen sie auch in Ihrer Freizeit?" bis hin zu "Macht Ihnen Ihr Beruf Spaß?" prasselte auf den Offsetdrucker ein. Die letzte Frage beantwortete er mit einem klaren "Ja!" und begründete seine Aussage mit der abwechslungsreich und farbenfrohen Tätigkeit, wobei er aber auch betonte, dass es viele Routinearbeiten zu erledigen gibt.
Bei dem Besuch der riesigen Produktionshallen lernten die Schüler die drei Produktionsschritte Drucken, Falzen, Kleben kennen. Unmittelbar wurde ihnen der Unterschied zu den anderen Arbeitsbereichen deutlich. Die Lautstärke vor Ort verlangte ein deutlich größeres Stimmvolumen und konzentrierteres Zuhören.
Die Schnelligkeit der Produktion war für die Schüler anhand von Zahlen kaum begreifbar. Der Schichtleiter im Druckbereich konnte dies aber mit anschaulichen Vergleichen darlegen "Wenn man diese Papierrolle abrollen würde, würde man mehr als die Strecke nach Freiburg damit auslegen können. Und diese Rolle ist in weniger als zwei Stunden komplett bedruckt und weg!"
Die Schüler hinterfragten beim Gang durch die Hallen, ganz alltägliche Abläufe und Regeln. "Warum darf man nichts Essen oder Trinken in der Produktion?" interessierte die Schüler beispielsweise. Mit der anschließenden Erklärung hatten sie dann wohl eher nicht gerechnet. Durch Speisereste werden nämlich Fliegen und Mücken angelockt und auch gerne einmal mit eingedruckt. So konnte in der Vergangenheit ein amerikanischer Kunde eine europäische Fliege in seinen Faltschachteln identifizieren, was natürlich eine Reklamation und damit einen erheblichen Verlust für die Firma Faller zur Folge hatte . Durch solche nachvollziehbaren Erklärungen konnten die Schüler die Notwendigkeit der Regeln verstehen und ihre Einhaltung als wichtig einstufen. Aber auch wirtschaftliche Fragen waren von Interesse: "Wie lange arbeiten Sie?", "Arbeiten Sie im Schichtdienst?", "Verdienen Sie dann auch mehr?" waren nur einige der Fragen und Anmerkungen der Schüler.
Der Kontakt mit der 5ten Klasse der Kastelbergschule stellte eine interessante Herausforderung für die Schichtführer und Abteilungsleiter dar. Die ganz alltäglichen Abläufe und Arbeiten in eine alters- und schülergerechte Sprache zu vermitteln forderte sie immer wieder. "Was ist eigentlich falzen?" ist eine Frage die sich im Betrieb sicherlich niemand mehr stellt!


