11.09.2004: Fischeier und leuchtende Bakterienkulturen als Probanten im Chemieunterricht
Einblicke in das Leipziger Umweltforschungszentrum
Schüler der 12. Klassen des Ostwaldgymnasiums konnten sich Ende März im Schülerlabor des Leipziger Umweltforschungszentrums (UfZ) als Juniorwissenschaftler fühlen. Im weißen Arbeitskittel und mit futuristischer Schutzbrille bekamen sie die Möglichkeit, Chemie ganz praktisch und sehr authentisch anhand von Biomonitoring-Versuchen zu erfahren.
Unter der Anleitung von Dr. Torsten Lange, Leiter des Schülerlabors, und Evelin Mietschke, Chemielehrerin des Ostwald-Gymnasiums experimentierten zwölf Schüler einen ganzen Tag mit Fischeiern, Bakterienkulturen und Algen.
Die durchgeführten Experimente sind aktuellen Forschungsprojekten des Umweltforschungszentrums entliehen. Die Schüler kamen sehr gut vorbereitet in das Umweltforschungszentrum. Sie hatten zuvor im Chemieunterricht und in eigener Tätigkeit zu Hause die Experimente theoretisch durchgeführt. Für die Vorbereitung auf die Labortätigkeit entwickelte das UfZ eine CD-Rom, die es ermöglicht, das Labor und die Versuche virtuell kennen zu lernen. Die Schüler wussten dadurch, was unter einer Mikropipette zu verstehen ist, was eine Zentrifuge für eine Aufgabe hat und das Kulturröllchen nicht im Theater zum Einsatz kommen, sondern eine Art Reagenzgläser für die Aufbewahrung von Kulturen sind.
Die Tests, die an diesem Tag durchgeführt wurden, kamen aus dem Themenkomplex der „Schadstoffanalytik“. Anhand von verschiedenen Versuchsorganismen - aus ethischen Gründen werden Fischeier, Algen und Bakterienkulturen verwandt – wurde die Wirkung von diversen Schadstoffen beobachtet.
Alexander Schmidt, 18 Jahre und begeisterter Schüler, umschreibt ein Experiment so: „Ich habe hier eine Bakterienkultur, die leuchtet und einen Apparat, der mir zeigt, wie viel oder wie wenig sie leuchten, je nach dem welche Menge Kaliumchlorid ich in das Kulturröllchen gebe.“ Alexander möchte später Chemie und Biologie studieren und freut sich, über die Gelegenheit, beides hautnah im Schülerlabor erfahren zu können. „Wir haben sonst nur selten die Möglichkeit, ein echtes Labor kennen zu lernen. Ich habe heute eine neue wissenschaftliche Methode ausprobieren können“ sagt er und man sieht ihm, auch mit Experimentierbrille, seinen Enthusiasmus an.
Dr. Torsten Lange geht noch einen Schritt weiter. Für ihn ist es nicht nur wichtig, dass die Schüler Labortechniken erlernen können, für ihn steht an erster Stelle, dass Schüler sich intensiv mit den Themen Umwelt, Umweltschutz und Umweltforschung auseinandersetzen können. „Die Schüler sollen erkennen, wie bestimmte Schadstoffe auf unsere unmittelbare Umwelt wirken und vor allem was sie bewirken“, so Lange.
Evelin Mietschke ist froh, dass ihre Schüler diese Erfahrungen machen konnten. Sie sieht in der Kooperation mit dem UfZ eine große Chance für praxisorientierten Unterricht, der Schüler an die sonst eher trockenen naturwissenschaftlichen Fächer heranführt und ihr Interesse weckt bzw. fördert.
Mit jeder Menge Informationen und Daten gehen die Schüler an diesem Tag nach Hause. Sie werden in den nächsten Wochen viel zu tun haben. Dann gilt es nämlich, die gewonnenen Daten gemeinsam im Chemieunterricht auszuwerten und einen Bericht für das Umweltforschungszentrum zu schreiben.


