08.09.2005: "Unternehmen machen Schule" - Leitfaden zum Aufbau von Partnerschaften

Partnerschaften zwischen Unternehmen und Nachbarschulen gelten als fruchtbarer, aber auch aufwändiger Weg zur Vernetzung von Schule und Wirtschaft. Als erstes umfassendes Werk zu diesem Thema präsentiert sich "Unternehmen machen Schule" als Leitfaden und mit seiner Vielzahl von Praxisbeispielen zugleich als Ideenpool für den Aufbau von Partnerschaften und Kooperationsnetzen. Ein Inhalts- und Kriterienkatalog macht dies deutlich.

Wie stark das Konzept der Lernpartnerschaften an Bedeutung gewinnt, wird daran deutlich, dass allein im Jahr 2005 zwei Forschungsberichte zu diesem Thema erschienen. "Praxiskontakte. Zusammenarbeit zwischen Schule & Wirtschaft", eine Untersuchung zu den Wirkungen und Möglichkeiten für das Fach Wirtschaft (erschienen bei Westermann 2005) und "Schulkooperationen", ein Bericht über den Stand von Schulpartnerschafts-Initiativen (erschienen beim Wochenschau Verlag 2005),

Als Best-Practice-Pool für den Praktiker vor Ort bietet sich aber vor allem das nachstehend beschriebene Werk an, das ebenfalls in diesem Jahr erschienen ist. „Unternehmen machen Schule“ behandelt das Thema ‚Partnerschaft zwischen Unternehmen und Schulen’ erstmals inhaltlich und gleichzeitig umfassend. Die Vielzahl konkreter Beispiele aus zehn Jahren Vernetzungserfahrungen mit über 300 Unternehmen machen es zu einem Leitfaden für den Aufbau von Partnerschaften und Partnerschaftsnetzen.

Dieser Praxisbezug wird auch an den Inhalten und Fragestellungen deutlich, die – nachstehend zusammengefasst – fast schon eine Checkliste für kooperationsbereite Schulen und Unternehmen repräsentieren:

Welche Qualitätskriterien sind beim Aufbau von erfolgversprechenden Lernpartnerschaften zu beachten?
Hier geht es um den Aufbau und die Stabilisierung von Lernpartnerschaften, um Kooperationsverträge und ihre Gestaltung, die schulinterne Organisation des Kooperationsentwicklung, die Bestellung eines Kooperationsmanagers, seine Aufgaben usw.

Wie kann Schule von solchen Lernpartnerschaften profitieren?
Natürlich stehen Maßnahmen zur Wirtschafts-, Berufs- und Praxisorientierung im Vordergrund. Im Kontakt mit Industrieunternehmen profitieren aber gerade die MINT-Fächer. Beispiele zeigen auch, was für den Themenkreis Umwelt/Nachhaltigkeit zu holen ist, wie sich Unterricht handlungsorientierter gestaltet, wodurch Maßnahmen der Schulentwicklung gefördert werden bis hin zum gesamten Schulprogramm.

Was macht Lernpartnerschaften für Unternehmen interessant?
Treibende Kraft ist nicht nur die Personalabteilung, die nach Auszubildenden sucht. Richtig gehandhabt sind Lernpartnerschaften ein vorzügliches Instrument für öffentliche Events und für die Nachbarschaftsarbeit – bis hin zum vorbeugenden Risikomanagement. Auch die Abteilung Marketing kommt nicht zu kurz. Beispielen belegen, dass die Produkte des Unternehmens von größtem Interesse für Schüler sind und – didaktisch angemessen gehandhabt – zum Gegenstand von Unterricht und von Projekten werden können.

Branchenspezifische Erfahrungen.
Industrieunternehmen sind die ergiebigsten Kooperationspartner für Naturwissenschaft und Technik, Banken für das Fach Mathematik. So die vorgefasste Meinung. Über dieses klassische Verständnis hinaus bieten z.B. „Industriereportagen“ überraschende Einsichten für das Fach Deutsch und im Fach Kunst – dem dankbarsten Ansprechpartner – werden aus Werkstoffen Schülerarbeiten, mit denen sich ganze Ausstellungen gestalten lassen. Lernpartnerschaften beschränken sich nicht auf Großunternehmen. Auch kleinere Betriebe und das Handwerk können sich mit „Pool-Lösungen“ in hervorragender Weise einbringen.

Was ist zu tun bei der Organisation von Kooperationsnetzen?
Kooperation Schule-Wirtschaft ist Teil der Regionalentwicklung. Verschiedene Institutionen sorgen in ihren Regionen über die Einzelpartnerschaften hinaus für den Aufbau flächendeckender Kooperationsnetze: Die Kammern, die Unternehmerschaften, die Institutionen der Wirtschaftsförderung. Ein Katalog von Qualitätskriterien unterstützt die Planung und Beurteilung leistungsfähiger Netze.

Sonderwünsche, Sonderkonzepte?
„Wirtschaft“ und „Schule“ sind Universen mit einem Spektrum von Möglichkeiten und Wünschen, die über die Ausrichtung der Kooperation auf Wirtschaft und Beruf weit hinausgehen: Förderbedürftige Schüler/Förderschulen auf der einen und Begabtenförderung auf der anderen Seite, Werbung für Mangelberufe, internationale Kontakte, um nur einige Beispiele zu nennen.

Welche Unterstützungsmaßnahmen stehen zur Verfügung?
Für den Aufbau professioneller Lernpartnerschaften und Kooperationsnetze steht eine Vielzahl von Unterstützungsinstrumenten bereit: Unterrichtsmaterialien, Workshops, Best-Practice-Erfahrungen. Ein Teil dieser Instrumente lässt sich über das Internet abrufen.

Günter Vollmer: Unternehmen machen Schule. Idee & Produkt Verlag, Bonn 2005. 208 Seiten. 58 Farbfotos, 23 Graphiken und Tabellen. 19,80 Euro.
Zu bestellen über www.idee-und-produkt.de