05.10.2004: Arbeitslosenzahlen für September
... und Bilanz der Ausbildungsplätze
Die Zahl der Erwerbstätigen ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juli gegenüber dem Vorjahr um 67.000 angestiegen; saisonbereinigt bedeutet dies einen Anstieg gegenüber Juni um 2.000. Damit ist die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen von Januar bis Juli um insgesamt 95.000 gestiegen.
Minister Clement: "Mit der Einführung von Mini-, Midijobs und Ich-AG haben wir den richtigen Weg gewählt. Dies hat dazu geführt, dass die Beschäftigungsschwelle gesunken ist. Dieser Effekt wird sich mit der Realisierung der Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe im nächsten Jahr noch verstärken. Wir erwarten, dass die Arbeitslosigkeit im Laufe des nächsten Jahres, d. h. nachdem der grundlegende Umbau des Arbeitsmarktes vollständig vollzogen sein wird, im Zuge der Konjunkturbelebung deutlich zurückgehen wird."
Die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen unter 20 Jahren entwickelt sich weiterhin günstiger als die Arbeitslosigkeit insgesamt. Während die Zahl aller Arbeitslosen im September um 0,2 % höher lag als ein Jahr zuvor, sank die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 20 Jahren um 2,4 %.
Rechnerische Ausbildungslücke
Die rechnerische Ausbildungsplatzlücke liegt derzeit noch - wie erwartet - bei 31.200. Aber die zwischenzeitlich mit dem Ausbildungspakt von Bundesregierung, Kammern, Verbänden und Bundesagentur für Arbeit vereinbarten verstärkten Anstrengungen zeigen Wirkung. Bis Ende September wurden in Industrie, Handel und im Handwerk insgesamt 13.200 und damit 3,1 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr.
Clement: "Ich finde beachtlich und sehr anerkennenswert, dass das Engagement aller Beteiligten in den ersten drei Monaten nach Abschluss des Paktes bereits den höchsten Zuwachs an Ausbildungsplätzen seit sechs Jahren bewirken konnte. Noch immer sind aber viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Deshalb dürfen und werden wir jetzt alles tun, um mit der im Ausbildungspakt vereinbarten großen Nachvermittlungsaktion unser Ziel zu verwirklichen, jedem und jeder ausbildungswilligen Jugendlichen ein Angebot auf Ausbildung oder auf eine, den individuellen Fähigkeiten angemessene Qualifikation machen zu können."
Wie vereinbart, werden die Partner des Ausbildungspaktes in der zweiten Novemberhälfte zusammenkommen, um den Fortgang der Nachvermittlungsaktion und eventuell notwendige weitere Maßnahmen zu besprechen. Zur Mitte des Monats Februar im Jahr 2005 werden die Partner des Ausbildungspaktes dann eine Bilanz der Ausbildungsaktion 2004/5 ziehen und gleichzeitig den Startschuss für die neue Ausbildungsplatzkampagne 2005/6 geben, im nächsten Jahr also um vier Monate früher als es in diesem Jahr wegen des späteren Zustandekommens des Ausbildungspaktes möglich war. Minister Clement: "Ich bin überzeugt, dass wir mit der Lösung des Ausbildungsplatzproblems aus freien Stücken auf dem richtigen Weg sind. Wir können und wir werden unsere Zusagen einhalten."
(Quelle: BMWA, 5.10.2004)
Auch der DIHK zieht eine positive Bilanz des Ausbildungspaktes
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handeslkammertages Ludwig Georg Braun stellte am Dienstag in Detmold fest, dass die Wirtschaft ihre Zusagen bei neuen Ausbildungsplätzen und Einstiegsqualifizierungen erfüllt habe. Mit der Nachvermittlung solle jetzt erreicht werden, dass bis zum Jahresende jeder ausbildungsfähige und -willige Jugendliche ein Angebot auf Ausbildung erhalte.
In den alten Bundesländern hätten die Industrie- und Handelskammern (IHKs) bislang 4,8 Prozent mehr Lehrstellen registriert als ein Jahr zuvor. In den neuen Ländern stagniere die Zahl der Ausbildungsverträge zwar, hier überlagere aber ein Minus von 19 Prozent bei den außerbetrieblichen Ausbildungsmöglichkeiten ein Plus von 6 Prozent bei den Angeboten der Betriebe.
Trotz dieser Erfolge suchten noch viele Jugendliche eine Lehrstelle. Die Bundesagentur für Arbeit melde, dass laut ihrer Statistik zum 30. September noch 45.000 junge Leute keinen Ausbildungsplatz gefunden hätten. Hier schlage sich vor allem eine Zunahme der Bewerberzahl um 20.000 nieder. Aber die Vorzeichen für den Schlussspurt des Jahres 2004 sind nach Einschätzung des DIHK gut. Neben den 13.400 bei den Arbeitsagenturen gemeldeten offenen Ausbildungsplätzen ständen erstmals bis zu 25.000 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung zur Verfügung. Dazu kämen rund 14.000 Ausbildungsplätze aus öffentlichen Förderprogrammen, die noch besetzt werden könnten.
Im Rahmen der Nachvermittlung solle jetzt zunächst auf den Ausgleich innerhalb der Regionen gesetzt werden, so der Präsident des DIHK. Wo dies nicht möglich sei, solle eine überregionale Nachvermittlung angestrebt werden. Hierzu hat der DIHK eine bundesweite Plattform unter www.ihk-lehrstellenboerse.de geschaffen.
(Quelle: DIHK, 5.10.2004)
GEW: "Ausbildungspakt greift nicht!"
Kritisch äußert sich auch die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW zu den neuen Zahlen der Bundesagentur. "Der Ausbildungspakt, den Wirtschaft und Bundesregierung geschlossen haben, greift nicht. Die Lehrstellenlücke hat sich im Vergleich zum Vorjahr um über 10.000 Plätze vergrößert", erklärte Eva-Maria Stange, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), zum Ende des Ausbildungsjahres 2003/2004 am Dienstag in Frankfurt a.M.. "Es ist ein Skandal, dass weit über 40.000 junge Menschen keine Einstiegschance in den Beruf erhalten. Wir können es uns nicht leisten, so viele Ressourcen zu verschleudern."
Rechne man in diese Zahl regionale Unterschiede ein und die Jugendlichen hinzu, die in Warteschleifen geparkt sind, hätten über 200.000 junge Menschen keinen Ausbildungsplatz erhalten, sagte Stange.
Die ausführliche Meldung finden Sie unter www.gew.de


