10.03.2006: Gemeinsam für bessere Voraussetzungen
Ausbildungsmesse schafft Perspektiven für Jugendliche
Das Rüsselsheimer Bündnis für Ausbildung, getragen von Schule, Wirtschaft und Politik, wird zurzeit wieder sichtbar. Die dritte Ausbildungsmesse wurde in der Werner-Heisenberg-Schule eröffnet. An beiden Ausstellungstagen erwarten die Veranstalter rund 1700 Schüler. Sie können sich an 40 Ständen über rund 200 Ausbildungsberufe informieren.
Welcher Stellenwert dem regionalen Ausbildungsforum auch über die Stadtgrenzen hinaus beigemessen wird, dokumentierte der Besuch der hessischen Kultusministerin Karin Wolff. Die Probleme in der Ausbildungsmisere könnten nur bewältigt werden, wenn jeder seinen Teil dazu beitrage. Dass Gewerbeverein, Schulen und Stadtverwaltung wie in Rüsselsheim gemeinsam an einem Strang ziehen, sah Wolff in ihrer Eröffnungsrede als Schritt in die richtige Richtung. Die Ausbildungsmesse sei "eine gemeinsame Antwort auf die Problemstellung".
Es wäre ein schönes Ergebnis, wenn aufgrund dieses Engagements Jugendliche eine berufliche Perspektive erhielten. Sie müssten selbst ihren Teil dazu beitragen, Entscheidungen für ihren weiteren Lebensweg treffen und auch nach Alternativen zum Lieblingsberuf suchen. Von der Wirtschaft forderte sie, Arbeitsplätze zu sichern und sich in der Ausbildung zu engagieren.
Auch in den Schulen habe sich bereits "viel getan", so Wolff. Das Niveau von Haupt- und Realschulabschlüssen sei von den Kammern anerkannt. Als weitere Beispiele nannte sie die Stärkung der Hauptfächer, eine intensivere Berufsvorbereitung mit kontinuierlichen Praxistagen in Betrieben, die Einführung von Prüfungen und ein Methodentraining, das Schüler befähigt, eigenverantwortlich zu lernen.
Aktuelle Zahlen arbeitssuchender Jugendlicher dämpften die positive Stimmung. Stadtrat Jochen Müller, der den mit Verspätung eintreffenden Oberbürgermeister vertrat, sprach von 665 jungen Menschen unter 25 Jahren, die zurzeit bei der Rüsselsheimer Arge als arbeitssuchend gemeldet sind, 537 davon hätten keine Ausbildung - darunter 70 Prozent mit Migrationshintergrund. Müller sprach von einer "katastrophalen Situation bei der Versorgung junger Leute. "Wir müssen das zusammen hinkriegen", appellierte er. Gegenseitige Schuldzuweisungen seien fehl am Platz. Außerdem forderte Müller die Einführung der Schulsozialarbeit an der Heisenberg-Schule.
Anfängliche Ressentiments und Klischeedenken zwischen Schule, Politik und Wirtschaft sah denn auch Gewerbevereinschef Dirk Schäfer im Bündnis für Ausbildung nach einem dreijährigen "Findungszeitraum" überwunden. Bei Heisenberg-Rektor Peter Querbach habe er ein offenes Haus vorgefunden. "Wir haben die gleiche Wellenlänge."
Eindringlich warnte Schäfer die jungen Besucher, sich zu sehr auf andere, auf den Sozialstaat zu verlassen. "Die beste Vorsorge ist eine fundierte Ausbildung." Wer beruflich erfolgreich sein wolle, müsse Flexibilität mitbringen. Junge Menschen dürften sich angesichts von fünf Millionen Arbeitslosen, einer hohen Zahl junger Arbeitssuchender und der Tatsache, dass man ab 45 Jahren schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe, nicht desillusionieren lassen.
[Quelle: www.main-spitze.de vom 9.3.2006]


