11.09.2006: Volks- und Raiffeisenbanken machen Schule

Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen soll geweckt werden

Im aktuellen Bankenmagazin gibt der Verbandspräsident der Volks- und Raiffeisenbanken Walter Weinkauf über das Engagement im schulischen Umfeld Auskunft und erläutert die Motive und Hintergründe.

Bankmagazin: Der Bundesverband der Banken will sich mehr in den Schulunterricht einbringen. Ihr Verband tut es ereits. Wie sieht Ihre Kooperation mit dem Kultusministerium aus und was tun Sie in der Praxis?

Weinkauf: Das Kultusministerium Rheinland-Pfalz hat mit dem Genossenschaftsverband Frankfurt für die Kreditgenossenschaften einen Rahmenvertrag geschlossen. Danach können Volksbanken und Raiffeisenbanken an Ganztagsschulen entgeltlich mitwirken indem sie in ihrem Geschäftsgebiet eine aktive Unterrichtsbeteiligung durch Mitarbeiter der Banken vereinbaren. Sie sollen Alltagskompetenzen in finanzwirtschaftlichen Fragen praxisnah vermitteln können und damit den Unterricht wirkungsvoll ergänzen.

Im Rahmen des Themenbereichs Wirtschaftskunde und Kreditwirtschaft (zum Beispiel Kontoführung, Grundlagen der Kreditnahme, gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge, Schuldnersituation, Bewerbertraining) werden mit projekt- und erfahrungsorientiertem Lernen Alltagskompetenzen vermittelt. Ziel ist, dass junge Menschen die zur Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen Interessen notwendigen praktischen Fertigkeiten erlernen.

Bankmagazin: Sind die wirtschaftlichen Kenntnisse der Schüler wirklich so miserabel?

Weinkauf: Leider müssen wir konstatieren, dass es zum Teil erhebliche Mängel hinsichtlich wirtschaftlicher Kenntnisse gibt. Die Personalverantwortlichen der uns angeschlossenen Volksbanken und Raiffeisenbanken haben in einer Befragung nach den Kriterien für die Einstellung von Auszubildenden das Kriterium "Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen" als wichtiges Merkmal gekennzeichnet. Jedoch ist festzustellen, dass dies oft nur in geringem Ausmaß erfüllt wird. Die Diskrepanz bei den maßgeblichen Einstellungskriterien zwischen den Erwartungen der Ausbilder und der Erfüllung durch die Auszubildenden war hier sogar am größten. Grundsätzlich sind die fachlichen und handlungsorientierten Kenntnisse bei Wirtschaftsthemen bei Jugendlichen nicht in dem Maße vorhanden, wie es für andere Bereiche wie Musik, Kino, Sport und selbst auf Politik zutrifft. Hier bedarf es großer Anstrengungen, um die Kompetenzen im Feld Wirtschaft auf ein höheres Niveau zu bringen.

Bankmagazin: Was versprechen Sie sich von dieser Aktion?

Weinkauf: Wir Deutsche neigen eher dazu, eine Schuldnerberatung einzurichten und damit gewissermaßen Fehlverhalten zu korrigieren, als vielmehr zu investieren in der Vermeidung von Fehlverhalten. Schulen sollten gemeinsam mit der Wirtschaft finanzgerechtes Verhalten jungen Menschen so vermitteln, dass später Fehlverhalten bzw. falsche Gelddispositionen vermieden werden und Überschuldungen ausbleiben. Damit wird zugleich ein wichtiger Beitrag zur Ausbildungsfähigkeit geleistet.

[Quelle: Bankmagazin vom 11.09.2006; s. www.bankmagazin.de]