11.10.2004: Viele Chancen, wenig Perspektiven

Sabine Christiansen diskutiert mit Gästen über Deutschlands Jugend


Am Sonntag Abend (10.10.2004) diskutierten Vertreter der sog. jungen Generation – die 28-jährige Barbie Haller, Mitglied des Parteivorstandes der FDP und der 34-jährige Jörg Tremmel, Begründer und Vorstandsvorsitzender der Stiftung für die Rechte der nachwachsenden Generation - mit den Politikern Heide Simonis (SPD) und Roland Koch (CDU) und dem ehemaligen Bayer Leverkusen Manager Rainer Calmund.

Zentrale Themen der Sendung waren das deutsche Bildungssystem, seine Stärken und Schwächen sowie die Ausbildungsplatzmisere in Deutschland.
Barbie Haller appellierte für mehr Verantwortung und gegen die „latent grassierende Anspruchshaltung“: „Wenn die Wirtschaft den schlechten Bildungsstand der Schulabgänger beklagt, weshalb unterstützt die Wirtschaft die Schulen nicht mehr? Ist etwa Politik allein gefordert, die Bildungsmisere zu beseitigen?“ Sie spricht sich deshalb explizit für mehr Engagement und Verantwortung – insbesondere auch der jungen Generation aus.

Jürgen Tremmel spricht in diesem Zusammenhang vom Generationenbetrug, denn für die Zukunftsinvestitionen in Bildung sei auf Grund der finanziellen Lage des Staates kaum mehr Geld vorhanden. Weiter plädiert er für eine Ausbildungsumlage, wenn freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft – wie die bisherige Erfahrung lehre - nicht zum Erfolg führten.

Mit Blick auf das deutsche Bildungssystems äußerte sich die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) und erklärte, dass die dreigliedrige Schule in Deutschland kein Modell für die Zukunft sei. "Wir müssen Schulformen ändern", sagte die Sozialdemokratin. Sie sprach sich auch gegen Aufnahmeprüfungen an weiterführenden Schulen aus, wie die Opposition sie fordere.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch sprach sich deutlich gegen die Pläne der Sozialdemokraten aus, in Deutschland die sogenannte Einheitsschule einzuführen. "Ich glaube, dass es grundfalsch ist, alle Schüler bis zur zehnten Klasse in einer Schule zu unterrichten. Ich glaube, dass man damit die Leistungspotenziale nicht ausschöpft. Ich habe Angst, dass aus den deutschen Schulen eine große Bundesagentur für Arbeit wird", sagte Koch wörtlich in der ARD-Sendung SABINE CHRISTIANSEN.

Auch der Deutschland-Chef von McKinsey Jürgen Kluge sieht in der Misere des deutschen Bildungssystem einen entscheidenden Faktor für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Er plädiert für mehr Eigenständigkeit der Schulen und die Einführung von Studiengebühren.
Weitere Details zur Sendung unter www.sabine.christiansen.de