29.11.2004: Forschungsauftrag mit Bravour erfüllt

Gymnasiasten versetzen Chemie-Profis in Erstaunen


Über das Ergebnis ihres Forschungsauftrages sollen die Gymnasiasten öffentlich noch nicht sprechen. Es ist so gut und einmalig, dass es zum Patent angemeldet werden soll. So jedenfalls hat es die Führungsetage des norwegischen Chemiekonzerns Yara beschlossen, der in Deutschland mehrere Filialen hat.

Seit März arbeiten die drei Wittenberger Gymnasiasten Axel Bolz, Christian Schewe und Daniel Weiß aus der Chemie-Arbeitsgemeinschaft von Mario Dahse an dem vereinbarten Forschungsauftrag, einen möglichst einfachen Test für die Konzentration von Ad Blue zu entwickeln. Die Harnstofflösung, in bestimmter Konzentration dem Dieselkraftstoff zugesetzt, vermindert den Schadstoffausstoß wesentlich und wird ab 2005 als EU-Norm eingeführt.

Der Wittenberger Spediteur Detlef Benecke war darauf gekommen, dass er oder der Tankwart, Polizei und Versicherung dann großes Interesse haben müssten, leichte Kontrolle über den Zusatzstoff zu haben, der nur in bestimmter Konzentration wirkt. Benecke fährt für Yara, und da er mit Dahse befreundet ist und das Motto des Gymnasiums "Schule und Wirtschaft" zukunftsweisend findet, hatte er den Kontakt vermittelt. "Wir haben erst alles über den Stoff studiert, was wir finden konnten", erzählt Axel Bolz. Dann ermittelten sie 18 mögliche Nachweismethoden. "Die meisten waren zu gefährlich, zu kompliziert, zu teuer", berichtet Daniel Weiß. Es blieb ein Verfahren übrig, das sie in Versuchsreihen als effektiv nachweisen konnten und in einer Facharbeit und Power-Point-Präsentation dokumentierten.

In einem Demonstrationskoffer die Chemikalien, mit Laptop und Beamer, einer CD-Rom und dunklen Anzügen fuhren die drei, begleitet von Mario Dahse und Detlef Benecke, am Donnerstag zu Yara nach Rostock – und bekamen das große Flattern: die oberste Etage von Yara Deutschland war da, der wissenschaftliche Beirat Dr. Warsow aus Berlin, und es war sogar Ernst-Olaf Strutz, der technische Direktor aus Oslo extra mit dem Flugzeug gekommen.

Die Männer waren beeindruckt, selbst Dr. Warsow hatte von ihrem Verfahren noch nichts gehört und verwickelte die Zwölftklässler in ein wissenschaftliches Streitgespräch, bei dem sie überzeugten. Er wird prüfen, ob das Verfahren patentrechtlich geschützt werden kann, "wir wollen’s den Jungs aber nicht wegnehmen". Auch ein eingetragenes Warenzeichen wird beantragt, Praktika werden zugesagt, Interesse am Chemie-Studium in Rostock mit Zusage einer beruflichen Perspektive im Konzern geäußert. Außerdem wurde die versprochene Aufwandsentschädigung ans Gymnasium verdoppelt. Und die Schule, wo solche Schüler herkommen, will der technische Direktor der Konzernleitung aus Oslo noch in diesem Jahr besuchen.

[Quelle: Der Prignitzer online vom 27.11.2004]