26.12.2006: Feuchtbiotop als außerschulischer Lernstandort
Hellmann und Kardinal-von-Galen- Gymnasium vereinbaren Lernpartnerschaft
Hellmann Worldwide Logistics hat mit dem Kardinal-von-Galen-Gymnasiums eine besondere Form der Lernpartnerschaft vereinbart, die im Kern darin besteht, dass der Schule die Möglichkeit gegeben wird, das betriebseigene Feuchtbiotop als außerschulischen Lernstandort zu nutzen.
Konkretes Ziel der Vereinbarung ist es, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeiten zu geben,
- ihre Naturerfahrungen und ihr Naturerleben zu intensivieren,
- die Beobachtung und Entwicklung von Pflanzen und Tieren zu dokumentieren und
- im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten unter sachkundiger Anleitung geeignete Pflegemaßnahmen durchführen, wie z.B. Kopfweiden schneiden, Wallhecke auf Stock setzen, Gras mähen, Benjes-Hecken anlegen, Obstbäume pflegen usw.
Darüber hinaus ist es das Ziel der Kooperationsvereinbarung, dass die Schülerinnen und Schüler in der Gemeinschaft gleich Gesinnter Freude und Erfüllung im Umgang mit der Natur finden, vor allem aber auch positive soziale Erfahrungen in einem außerschulischen Lernfeld sammeln.
Als exemplarisches Beispiel für eine besondere Aktivität soll über einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz berichtet werden, den Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und der Grundschule Westerkappeln-Stadt in Metten geleistet haben.
Beim Arbeitseinsatz mit dabei waren auch Grundschullehrerin Dagmar Völlmann und Günter Glasmeyer, Betriebsratsvorsitzender des Logistikunternehmens Hellmann und gleichzeitig Mitglied der Arbeitsgruppe Umweltschutz im Unternehmen. Auf Anregung und unter Anleitung von Landschaftswart Friedhelm Scheel schnitten die Schülerinnen und Schüler sieben großen Kopfweiden, die entlang des Stollebaches im Ortsteil Metten auf dem Gelände des von der Spedition Hellmann angelegten Feuchtbiotops wachsen.
Kopfweiden waren in früherer Zeit an Gräben und Flussläufen zu sehen, wurden aber oftmals im Rahmen von Flurbereinigungsmaßnahmen entfernt. Erst in jüngster Zeit wurde ihre Bedeutung für die regionale Kulturlandschaft immer positiv erwähnt und die Anpflanzung und Pflege gefördert, weil sie gerade an Bach-und Flussrändern bodenstabilisierende Wirkungen haben. Kopfweiden sind keine eigenständigen Baumarten, sie entstehen durch den regelmäßigen Schnitt der Bäume, wobei die Äste bis auf den Stamm zurück geschnitten werden. Neben der vielfältigen Nutzung der Weidenruten für Körbe oder Heckenpflanzungen haben sie auch für das Ökosystem eine besondere Bedeutung. Deutlich wird dies an den zahlreichen Insektenarten, die diese Weiden mit ihrer Holzsubstanz und dem vielen Laub intensiv als Lebensraum nutzen. Für viele Käferarten, Raupen und Larven dient die Weide als Futterpflanze und geschützter Lebensraum.
Je grösser und dicker die Kopfweide wird, desto mehr Tierarten bevölkern die Weiden. Auf den Weidenblätttern leben die Raupen vieler Schmetterlingsarten, so zum Beispiel der Trauermantel, der Große Schillerfalter, aber auch viele Schwärmer-, Spinner-, und Spannerarten. Blattwespen legen ihre Eier in die Blätter und die Blattläuse zapfen die zarten Sprossen der jungen Triebe an. Auch die Larven des Weidenbohres (Schmetterling) und des Moschusbockes (Käfer) leben vorwiegend in den Weiden.
Da sich an den Schnittstellen der Äste oftmals faulige Stellen bilden, die sich mit zunehmender Dauer in Höhlen verwandeln, finden darin auch verschiedene Vogelarten Platz, die ihre Nahrung im toten Holz, auf den Blättern oder in der Rinde suchen und finden. In ganz alten Kopfweiden kann sogar der Steinkauz eine Höhle finden.
Mit der intensiven Pflege der Kopfweiden haben die Schülerinnen und Schüler dazu beigetragen, diesen Artenreichtum zu erhalten und das in vielen Bereichen bereits gestörte ökologische Gleichgewicht zumindest ein Stück weit wieder herzustellen.


