25.09.2006: Hermann-Schmidt-Preis 2006

Sechs Preise für Innovative Wege in die betriebliche Berufsausbildung verliehen


Rund zwei Drittel aller Schulabgänger und Schulabgängerinnen streben eine betriebliche Berufsausbildung an. Zu viele finden aber an dieser „ersten Schwelle“ keinen Ausbildungsbetrieb – der Weg von der Schule in die Berufsausbildung ist schwieriger und länger geworden. Ein erheblicher Teil durchläuft daher zwischen Schulabschluss und Beginn der Berufsausbildung Orientierungs- und Förderphasen.

Zugleich finden viele Betriebe keine oder keine geeigneten Bewerber bzw. Bewerberinnen für ihre Ausbildungsplätze. Oder sie bilden erst gar nicht aus, weil ihnen die Vorteile der Qualifizierung des eigenen Nachwuchses nicht bewusst sind oder weil sie sich ohne externe Unterstützung die Ausbildung von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf nicht zutrauen.

Der Verein „Innovative Berufsbildung e.V.“ hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem jährlich von ihm verliehenen Hermann-Schmidt-Preis auf innovative Ansätze in der Berufsbildungspraxis aufmerksam zu machen, diese zu fördern und als gute Beispiele zur Nachahmung zu empfehlen. Im Mittelpunkt des in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehenen Preises stehen „Innovative Wege in die betriebliche Berufsausbildung“. Ausgezeichnet werden Projekte und Initiativen, die im Sinne eines „regionalen Übergangsmanagements“ beispielhaft und erfolgreich durch die Kooperation aller verantwortlichen Akteure innovative und „kurze“ Wege von der Schule in eine betriebliche Berufsausbildung entwickelt und umgesetzt haben.

Aus den zum Wettbewerb eingereichten 26 Initiativen gingen als Sieger hervor:

  • 1. Preis (2.000 Euro): Die Benteler AG, Paderborn, für das Projekt „SchuB“ („Schule und Benteler“)
    Zielgruppe sind technikinteressierte Hauptschüler/-innen, die auf dem Ausbildungsmarkt nur geringe Vermittlungschancen haben. Über eine intensive Betriebsnähe, Projektarbeiten, eine spezielle „SchuB“-Klasse in der 10. Jahrgangsstufe und den unmittelbaren Kontakt zu Auszubildenden werden persönliche und soziale Kompetenzen gestärkt und die Schüler/-innen „ausbildungsfit“ gemacht. Die Benteler AG hat vier Jugendlichen einen Ausbildungsplatz angeboten. Weitere Schüler/-innen haben Plätze in anderen Betrieben erhalten, sodass rund zwei Drittel der Teilnehmer/-innen bereits vor Abschluss des Schuljahres einen Ausbildungsplatz gefunden haben.


  • 2. Preis (1.000 Euro): Die METRO Group, Düsseldorf, für ihre Initiative „Metro macht Schule“
    Ziel des seit 1999 eingesetzten, von Metro Cash&Carry, Galeria Kaufhof und real entwickelten Konzepts ist, Jugendliche an allgemeinbildenden Schulen frühzeitig bei der Berufswahl professionell zu unterstützen und die Zahl potenzieller Ausbildungsabbrecher zu verringern. Dazu arbeiten regionale Märkte und Filialen mit benachbarten Schulen intensiv in über 80 „Lernpartnerschaften“ zusammen, in denen die Jugendlichen zur Vorbereitung ihrer Berufswahl über die vielschichtigen Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten im Handel umfassend informiert werden. Bereits frühzeitig in ihrer Schullaufbahn erhalten die Jugendlichen einen tief greifenden Einblick in das international agierende Unternehmen, das in Deutschland rund 8.500 Ausbildungsplätze in mehr als 20 Berufen anbietet.


  • 3. Preis (500 Euro): Das Berufsbildungszentrum (bbz) der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen für das „Werkstattprojekt für Hauptschüler“
    Das bbz unterbreitet allen Hauptschülern/-innen des Kreises Siegen-Wittgenstein das Angebot einer freiwilligen Teilnahme an einem Metall-Grundlehrgang. 51 Jugendliche nahmen im Sommer 2005 das Angebot an und durchliefen – ergänzend zum Schulunterricht der 10. Klasse – an den Wochenenden und in den Ferien bis Ende Juli 2006 diesen Lehrgang. Das bbz gab im Gegenzug quasi eine Lehrstellengarantie unter der Voraussetzung einer 90%igen Präsenzteilnahme. Ergebnis: 40 Schüler/-innen erhielten anschließend eine Ausbildungsstelle in einem Metall- oder Elektroberuf in der Region.

Jeweils mit 500 Euro dotierte Sonderpreise erhalten:

  • Das Bildungszentrum Wolfen-Bitterfeld e.V. für das Projekt „InBAz – Integrierte Berufsorientierung zum Anfassen von Azubis für Schüler/-innen“.
  • Die Glauchauer Berufsförderung e.V. für das Projekt „MAJS – Mobile arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit“.
  • Das staatliche regionale Förderzentrum „Hans Bürger“ in Blankenhain für das Projekt „Praktische Berufsorientierung an Förderschulen“.

Kurzdarstellungen der prämierten und weiterer zum Wettbewerb eingereichter Projekte enthält die Beilage BWPspezial Nr. 11 zum Heft 5/2006 der Zeitschrift „Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP)“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Die Zeitschrift ist zum Preis von 7,90 Euro zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag, Fax: (05 21) 9 11 01 19, E-Mail: service@wbv.de.

Weitere Informationen über den hermann-Schmidt-Preis unter www.bibb.de