01.12.2004: Jungunternehmer und die Kunst des Sitzens
JUNIOR-Unternehmen setzt auf Sitzbänke
Ars Sedendi - Die Kunst des Sitzens." So haben Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe zwölf des Lise-Meitner-Gymnasiums Königsbach (LMG) mit Neigungsfach Wirtschaft ihr Junior-Unternehmen genannt. Ende Oktober haben sie es gegründet. Im Rahmen des Projekts "Junior" des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln werden die Pennäler ein Jahr lang wie im richtigen Wirtschaftsleben agieren.
Sie werden ihr Unternehmen organisieren, dabei praktisch lernen, was sich hinter Begriffen wie Bilanz, Gewinn oder Marketing verbirgt, monatlich Buchführungsunterlagen erstellen und an die Junior-Geschäftsstelle senden, und nicht zuletzt ein eigenes Produkt auf den Markt bringen und versuchen, es mit Profit zu verkaufen. Das notwendige Grundkapital haben sie bereits durch den Verkauf von 90 Anteilscheinen zu zehn Euro gewonnen. Gemäß den Vorgaben hat jedes Mitglied des Unternehmens einen Anteilschein erworben, die restlichen gingen im Verwandten- und Bekanntenkreis weg wie warme Semmeln.
Vorstandsvorsitzende ist Lenka Steifova, "Schulpatin" LMG-Lehrerin Stefanie Wally, eine für das Neigungsfach Wirtschaft ausgebildete Lehrkraft, und "Wirtschaftspate" ist Jens Walter. Er hat im Schuljahr zuvor mit der LMG-Firma "Futureguide" selbst erlebt, wie spannend, aber auch arbeitsintensiv es sein kann, ein eigenes Unternehmen erfolgreich zu leiten und nach einem Jahr mit respektablem Gewinn wieder aufzulösen.
Während "Futureguide" mit einem selbst erstellten Praktikumsführer überaus erfolgreich agierte, wird das neue Junior-Unternehmen "Ars Sedendi" eine künstlerisch gestaltete Sitzbank anbieten und vertreiben. Diese Bankgeschäfte der ungewöhnlichen Art hat in Köln so gut gefallen, dass die Königsbacher Schüler als eine von zwei Junior-Firmen aus ganz Deutschland ausgesucht wurden, ihr Projekt auf der Messe "NewCome" in Stuttgart Anfang Dezember zu präsentieren. Während des gesamten Projektjahres steht die Junior-Geschäftsstelle den jungen Unternehmern mit Rat und Tat zur Seite. Dort werden Fragen zur Buchführung und zur Unternehmensleitung ebenso wie Fragen zur Organisation und zum Ablauf beantwortet.
Die Idee, eine Bank herzustellen und künstlerisch zu gestalten, hatte Ilka Lampl, die Lehrerin des Neigungsfachs Kunst, berichtet Lenka Steifova. Die neun Schülerinnen und Schüler ihres Kunstkurses werden in Zusammenarbeit mit der Alfons-Kern-Schule Pforzheim die Bänke herstellen und gestalten. Die 18 "Wirtschaftler" sind für die Akquirierung der Kunden und den Vertrieb der Bänke zuständig. "Firmen, Geschäfte oder Privatleute können die Bänke kaufen und entsprechend ihren Wünschen gestalten lassen", erklärt die Vorstandsvorsitzende des Junior-Unternehmens. Das könne etwa mit einem Firmenlogo sein, einem Zunftzeichen oder aber ganz anderen Vorgaben.
Stefanie Wally und Ilka Lampl haben das Projekt dem Schulverbandsvorsitzenden Bürgermeister Bernd Kielburger vorgestellt, auch um zu klären, ob solche, eventuell durch Sponsoren erworbene Bänke im öffentlichen Raum aufgestellt werden könnten. Kielburger sagte, falls notwendig, Hilfestellung bei der Umsetzung etwa durch den Bauhof der Gemeinde zu. "Ich finde diese Art und Weise des praxisorientierten Unterrichts ausgezeichnet", so Kielburger. Bei der Hauptversammlung im Dezember wird den Anteilseignern das Projekt und möglicherweise auch das erste Exemplar einer solchen Bank präsentiert.
[Quelle: Pforzheimer Zeitung, 30.11.2004]


