30.05.2006: Kinder lernen die moderne Arbeitswelt kennen

Im Projekt KIEWIS - Kinder entdecken Wirtschaft - besuchen Kinder Betriebe und lernen vor Ort.

Vier Mädchen und acht Jungs der vierten Klasse der Hettinger Grundschule sind stolz auf ihr Werk. Sie haben Ende Mai im Rahmen des Projekts "KIEWIS - Kinder entdecken Wirtschaft" Tischuhren aus eloxiertem Aluminium gemacht, die einen in Form eines Fußballfeldes, die anderen in Form einer Comicfigur.

Die Zifferblätter wurden alle mit einem Laser beschriftet. Das macht stolz. Unter dem Dach der "Wissensfabrik - Unternehmen für Deutschland e.V." engagieren sich Unternehmen in ihrer Region unter anderem in Bildungsprojekten wie "KIEWIS". Darin wird auf neuartige Lernformen gesetzt, um Kindern schon in der Grundschule technische und wirtschaftliche Sachverhalte nahe zu bringen.

Zeitgemäßer Unterricht fordert das handlungsorientierte Lernen am Objekt und vor Ort, die Begegnung mit realen Lebenssituationen und die Einbeziehung von Fachleuten in das Schulleben, so sieht es auch Hans Fecht, Leiter der Hettinger Grundschule und Klassenlehrer. "Selbst eine kleine Schule wie unsere, die in vier Klassen insgesamt 42 Schüler zählt, kann diesem Anspruch gerecht werden - wenn wir engagierte Partner wie zum Beispiel die Firma Trumpf haben."

Im KIEWIS-Projekt in Hettingen sah die Umsetzung so aus. Die zentrale Aufgabe war, etwas aus Blech herzustellen. Teils in der Schule, teils im Betrieb, wurden den Jungen und Mädchen durch praktisches Tun, eigenes Gestalten, Mitarbeiten und hautnahes Zuschauen Zusammenhänge im wahren Sinn des Wortes begreiflich gemacht.

Zunächst besuchten die Kinder einen Tag lang das Werk von Trumpf in Hettingen. Sie lernten Mitarbeiter kennen, erfuhren vieles über die unterschiedlichen Maschinen zur Blechbearbeitung und was damit machbar ist. Einen weiteren Tag war dann Ausbildungsmeister Berthold Stauss, unterstützt von Auszubildenden, zu Gast in der Schule. Gemeinsam erarbeiteten sie, was die Schüler herstellen wollten. Am dritten Projekttag hieß es dann ran an die Maschinen. "Das war am tollsten", sind sich die Schüler einig.

"Zu sehen, wie etwas Gestalt annimmt, was zuvor lediglich in der Theorie existierte, hat die Kinder sichtlich begeistert" sagt Ausbildungsleiter Franz Scheurer. Schulleiter Fecht unterstreicht: "Das hat den Schülern einfach Spaß gemacht. Tatsächlich aber haben sie auf verschiedenen Gebieten Kompetenz gewonnen. Sie mussten Entscheidungen treffen, mussten bei manchen Arbeitsschritten selbstständig, bei anderen im Team Problemlösungen erarbeiten. Und das Projekt wirkt über die drei Tage hinaus. Zum Beispiel dokumentieren die Schüler es eigenständig in einer Computerpräsentation, die wir im Juli beim Schulfest zeigen."

"Azubi" ist kein Spitzname
Und so mancher Begriff, den Erwachsene wie selbstverständlich verwenden, klärte sich für die Hettinger KIEWIS. "Am Anfang dachte ich, ,Azubi' ist ein Spitzname", erklärt der zehnjährige Heiko. Jetzt weiß ich, dass alle, die bei Trumpf oder einer anderen Firma was lernen so heißen - oder Auszubildende.

[Quelle: Schwäbische Zeitung online vom 30.05.2006]