10.03.2006: Die "Kopfnoten" entscheiden mit

Welche Anforderungen stellt die Wirtschaft an Schulabgänger?

Und wie lässt sich erreichen, dass die Jugendlichen sie erfüllen? Über diese Fragen diskutierten (am 8. März 2006) Wirtschaftsvertreter und Lehrer in Biberach. Der Tenor: Beim Thema Ausbildungsreife sind alle in der Pflicht, nicht nur die Schule, sondern auch die Eltern und die Jugendlichen selbst.

"Wir erwarten nicht das Wissen von ,alten Hasen" von den Schulabgänger", erklärte der Personalleiter der Handtmann Gruppe, Jörg Hochhausen. Aber er machte in seinem einführenden Vortrag klar, dass die Unternehmen die Jugendlichen Voraussetzungen mitbringen müssen, die sich in der Ausbildung dann ausbauen lassen. Bei der Veranstaltung des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft Biberach und IHK Ulm nannte Hochhausen drei Eignungsebenen: Die Bewerber brauchten Ausbildungsreife, sprich schulische Basisausbildung und eine Basisreife als Persönlichkeit. Sie benötigten die Eignung zum Beruf, bei einem Handwerker zum Beispiel manuelle Geschicklichkeit, und sie müssten für das jeweilige Unternehmen, für dessen Betriebskultur und -klima, geeignet sein.

"Wir schauen stark auf drei Kompetenzfelder", berichtete er über die Einstellungsverfahren. Das seien: erstens fachliche Kompetenz, das Beherrschen der deutschen Sprache, grundlegende Kenntnisse in Rechnen, Naturwissenschaften, Wirtschaft, Englisch, IT; zweitens soziale Kompetenz wie Teamfähigkeit, Höflichkeit, Konfliktfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, Toleranz und drittens persönliche Kompetenzen wie Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, Lern- und Leistungswille, Ausdauer, Konzentrations-, Kritikfähigkeit, Selbstständigkeit, Kreativität.

Gründe für die von vielen Personalabteilungen festgestellte sinkende Ausbildungsreife sah Hochhausen im Wandel der in Arbeitswelt, in der immer weniger einfache Tätigkeiten un damit immer weniger Menschen mit geringeren Fertigkeiten benötigt werden, und im Elternhaus. Grundwerte stünden nicht mehr so im Mittelpunkt der Erziehung außerdem würden viele Jugendliche vor Negativerfahrungen zu sehr behütet.

Er forderte Engagement von allen Seiten: Elternhaus, Schule und den Betrieben und den Jugendlichen, um Wege in eine erfolgreiche Ausbildung zu schaffen. Wie dies aussehen kann, darum ging es in der folgenden Diskussion.

Eva Majowski von der Personalabteilung des Zentrum für Psychiatrie Bad Schussenried forderte die Chancen zur Berufsorientierung müssten genutzt werden. Bei Berufsbörsen gehe es den Jugendlichen aber oft nur darum eine Tüte Gummibärchen zu bekommen. Die Jugendlichen informierten sich zu wenig über die Berufe, das zeige sich oft in Vorstellungsgesprächen. "Ein Schüler hat einmal zu mir gesagt: Da hätte ich viel zu tun, wenn ich alle Berufe vorher ansehen müsste." Die Jugendlichen brauchten früh Unterstützung bei der Persönlichkeitsfindung, denn die Frage wer bin ich, welche Neigungen habe ich sei ausschlaggebend für die Berufswahl.

Ruth Berg, bei der Firma Handtmann, dem Gastgeber der Veranstaltung, zuständig für Ausbildung mahnte soziale Kompetenz an. Die so genannten Kopfnoten für Verhalten und Mitarbeit seien neben den Schulnoten sehr entscheident bei einer Bewerbung. Sie forderte von den Eltern Vorbild zu sein.

[Quelle: Schwäbische Zeitung online vom 9.3.2006] (Stand: 09.03.2006 00:15)