09.06.2006: Erste Bilanztagung für das "Marburger Modell"

Modellprojekt geht neue Wege in der Berufsorientierung an Lernhilfe- und Hauptschulen

Die Bilanztagung zum "Marburger Modell" fand in der Adolf-Reichwein-Schule statt. Ziel des Modellprojektes, das durch produktionsorientiertes Lernen neue Wege für die Berufsorientierung an Lernhilfe- und Hauptschulen ermöglicht, ist es, im Verbund mit beruflichen Schulen ab dem achten Schuljahr praxisorientierte Impulse der Arbeitswelt in die Schulen einzubringen. Im September 2004 startete das Modellprojekt unter der Trägerschaft des Mittelhessischen Bildungs-Verbandes mit den Kooperationspartnern Adolf-Reichwein-Schule sowie Arbeit und Bildung.

Schülerinnen und Schüler der Julie Spannagel-Schule, der Friedrich-Ebert-Schule, der Theodor-Heuss-Schule, der Pestalozzischule, der Gesamtschule Niederwalgern, der Burgbergschule in Friedrichsdorf und der Landgräfin-Elisabeth-Schule in Stadtallendorf hatten im Rahmen des Projektes die Möglichkeit, praktische Erfahrungen im Hinblick auf die berufliche Orientierung zu sammeln.

Würfelbecher, Spielbretter, Kunstdrucke, CD-ROMs – die vielfältigen Arbeitsergebnisse aus unterschiedlichen Kursen wie Raumgestaltung oder Farb-, Holz- und Metalltechnik wurden im Rahmen der Tagung ausgestellt. Bei der Bilanz wurde rausgestellt, dass durch das Mitwirken der Schülerinnen und Schüler bei Kalkulation, Planung, Produktion und Endmontage die Motivation der Jugendlichen wächst, sich weiter zu qualifizieren.

Indem sie die Arbeitswelt kennen lernen und sich unter fachlicher Anleitung mit den Inhalten auf einer unmittelbaren Ebene auseinander setzen, entwickeln sie eine Basis für die eigene, berufliche Identitätsfindung. Nach dänischem Vorbild fördert dieser methodische Ansatz die Persönlichkeitsentwicklung und -stabilisierung, weil er Lernen und Arbeiten im sozialen Zusammenhang verknüpft.

Professor Dr. Oded Löwenbein, Dekan der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und Leiter der wissenschaftlichen Begleitung, stellte im Rahmen seines Vortrags Ergebnisse der Befragungen vor, die die positive Wirkung des Projektes auf das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl der Jugendlichen wie auch die Erweiterung ihrer beruflichen Perspektiven dokumentieren.

Das besondere am Marburger Modell ist die Kooperation zwischen Schule und Wirtschaft. Mit solch einem Profil gelingt es über den schulischen Bereich hinaus zu gehen und sehr viele jungen Menschen mit dem produktionsorientierten Ansatz zu erreichen.

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten die Veranstaltung, darunter viele Pädagoginnen und Pädagogen, die sie zur eigenen beruflichen Fortbildung nutzen. Das Modellprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) im Rahmen des Programms "Berufsorientierung und Qualifizierung für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf" (BQF) bis zum Ende des Schuljahres 2005/06 gefördert.

Die Inhalte möchte man darüber hinaus gleichwohl weiter entwickeln und die Angebote in der Region aufbauen, sagte Angelika Funk vom Mittelhessischen Bildungs-Verband. "Mein Wunsch wäre ein Praxistag pro Woche, an dem die Schülerinnen und Schüler der Lernhilfe- und Hauptschulen in der Berufsschule Berufsfelder und Betriebsrealität kennen lernen", betonte Projektleiter Rolf Daniel von der Adolf-Reichwein-Schule.

[Quelle: www.op-marburg.de vom 08.06.2006 von Imke Troltenier]

Weitere Informationen über das Marburger Modell finden Sie unter www.good-practice/gp