15.12.2004: Wege aus der PISA-Misere
Arbeitger fördern Nachwuchs in Mathematik und Naturwissenschaften
Neben anhaltender Kritik hat PISA II dem deutschen Bildungssystem auch einen hellen Streifen am Horizont beschert. So zeigen die deutschen Schüler in Mathematik und den Naturwissenschaften einige Verbesserungen gegenüber der ersten PISA-Studie. Bei der Problemlösekompetenz warten die deutschen Schüler sogar mit überdurchschnittlichen Leistungen auf. Besonders interessant ist dieser Befund, da Problemlösekompetenz und mathematische Kompetenz üblicherweise eng mit einander verknüpft sind. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?
Potenzial bleibt ungenutzt
Zum einen kann aus den guten Leistungen bei der Problemlösekompetenz
geschlussfolgert werden, dass bei den Jugendlichen ein größeres Potential
an mathematischer Kompetenz vorhanden sein muss und augenblicklich brach
liegt. Zum anderen wurde nach der TIMS-Studie 1997 insbesondere im Rahmen
des SINUS-Programms entscheidende Weichen für die Weiterentwicklung des
mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts in der Sekundarstufe I
im Hinblick auf die Professionalisierung und Förderung der Kompetenz- und
Interessenentwicklung gestellt. Dieses Konzept des anschaulicheren
Lernens, das an der Problemlösekompetenz der Schüler ansetzt, hat einen
Pfad aus unserer Bildungsmisere gewiesen.
Interessanter Unterricht ist möglich
Anschaulichkeit, Praxisnähe und Lebensbezug tragen entscheidend zur
Förderung mathematisch-naturwissenschaftlicher Kompetenzen bei. Genau
hier setzt die Unterstützung der Arbeitgeber für die Schulen, Schüler und
Lehrkräfte an. In vielfältigen Kooperationen mit Schulen wird über die
facettenreichen Berufsmöglichkeiten im naturwissenschaftlich-technischen
Bereich aufgeklärt, Begeisterung für die MINT-Fächer geweckt und der
Unterricht interessanter gestaltet.
Das erfolgreiche Engagement der Branchenverbände wie des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall oder des Bundesarbeitgeberverbands Chemie sowie zahlreicher Landesverbände (z.B. Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen oder Thüringen) hat einen entscheidenden Beitrag zur praxisorientierten Förderung mathematisch-naturwissenschaftlicher Kompetenzen geleistet. Auch Institutionen, Stiftungen und Vereine haben sich der wirtschaftsnahen Förderung der MINT-Professionals verschrieben. Der Verein MINT-EC hat ein bundesweites Netzwerk mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center geschaffen. 80 MINT-Schulen tauschen sich über erfolgreiche Unterrichtskonzepte aus, nehmen an speziellen Schulleiter- und Lehrerfortbildungen teil und nutzen Angebote für Schüler (z. B. Schülercamps). Beim jährlichen Siemens Award wird das beste Förderkonzept der MINT-Schulen ausgezeichnet.
Rechtzeitig zur neuen PISA-Studie hat die BDA jetzt das Kompendium "Innovation durch Nachwuchsförderung ? Die MINT-Initiativen der Arbeitgeber" veröffentlicht, das die zahlreichen Initiativen der Verbände und Unternehmen zusammenfasst. Das Kompendium ist in drei Kategorien ? bundesweite und regionale Projekte sowie Projekte für Mädchen und Frauen ? unterteilt und listet Themen, Zielgruppen, wichtige Maßnahmen und Ergebnisse übersichtlich auf. Weiterführende Informationen erhalten Interessenten über die jeweiligen Ansprechpartner oder Internetseiten, die ebenfalls angegeben sind.
[Quelle: BDA-Kruznachrichten vom 15.12.2004; von Gerrit Witschaß]


