21.11.2004: Schule und Beruf in Ostholstein gestartet

Verträge feierlich unterzeichnet


Viele Gäste haben dem Projekt SchuB einen ersten Anschub gegeben, als in Eutin am vergangenen Freitag (19.11.2004) der Startschuss für "Schule und Beruf - SchuB in Ostholstein" erfolgte. Mit dabei waren als Schirmherr Ostholsteins Landrat Reinhard Sager und als Geldgeber Holger Arpe vom Kieler Bildungsministerium. Er überreichte einen Bewilligungsbescheid über 111 000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds. Nach der Feierstunde wurden die Verträge unterzeichnet.

Das Projekt SchuB will durch Vernetzung die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgängerinnen und -abgänger verbessern, es will die Berufswahlorientierung der Schüler erleichtern sowie neue Motivation für das Lernen schaffen (die Lübecker Nachrichten berichteten).

Erreicht werden soll dies durch eine Kooperation von Schulen und Wirtschaftsunternehmen. In Ostholstein stehen dafür etwa 400 Betriebe bereit. In ihnen können rund 600 Schüler und Schülerinnen der achten und neunten Klassen aus elf Hauptschulen und zwei Förderzentren des Kreises in 14-tägigen Betriebspraktika und anschließenden wöchentlichen Praxistagen den Berufsalltag erproben.

Für Landrat Sager ist SchuB ein "wichtiger und wesentlicher Beitrag zur Sicherung und Weiterentwicklung des Lehrstellen- und Ausbildungsmarktes in Ostholstein". Alle Beteiligten hätten das Ziel, Jugendliche mit schlechteren Startchancen zu fördern und zu qualifizieren, damit sie nicht ohne Ausbildung bleiben.

Referent Holger Arpe aus dem Kieler Bildungsministerium führte vor Augen, dass derzeit etwa ein Viertel aller 15-Jährigen zu einer "Risikogruppe" gehören, da sie nur sehr schwer in eine Ausbildung zu vermitteln sind. Neben dem Kreis Ostholstein verfolge nur noch der Kreis Schleswig-Flensburg dieses Projekt. Auch Ulrich Mietschke, Vorsitzender der etwa 11 000 Betriebe umfassenden Kreishandwerkerschaft Ostholstein/Plön, berichtete von unmotivierten und desinteressierten jungen Menschen. Die Entscheidung für einen Beruf, in dem jemand bis zu 50 Jahre arbeiten wolle, müsse sehr gut überlegt und abgewogen sein. Bei den Ausbildungsarüchen sei mit 24 Prozent im Land derzeit ein neues Rekordhoch erreicht. Das Handwerk sei dabei überproportional betroffen.

Vorsitzender Björn Prölß von den Wirtschaftsjunioren Ostholstein rechnete vor, jeder Berufstätige verbringe durchschnittlich 70 000 Lebensstunden in seinem Beruf. Schon von daher sei es nötig, sich vorher genau zu informieren. Dr. Theo Siebel, Initiator von SchuB, gab den Gästen zu bedenken, dass Kinder und Jugendliche nur so gut ausgebildet werden können, wie es ihnen die Erwachsenen ermöglichen. Die Jugendlichen müssten einsehen, dass sie nicht für die Schule, sondern für den vorauszusehenden Ausbildungsplatz lernen.

Mit gutem Beispiel vorangehen wird Susanne Bimberg vom Kreisverband des Deutschen Kinderschutzbundes. Sie kündigte an, auf dem bäuerlichen Familienbetrieb in Gömnitz selbst mehrere Praktikanten einstellen zu wollen. Kinderschutzbund-Geschäftsführer Bernd Heinemann mahnte, ein Leerlauf nach der Schulzeit könne nur dann vermieden werden, wenn Eltern, Schule und Wirtschaft zusammenarbeiten.

Gerade in wirtschaftlich kritischen und schulpolitisch unruhigen Zeiten seien Kontakte wichtig, gab Ostholsteins Schulrat Dr.Peter Wendt den Projektteilnehmern mit auf den Weg.

[Quelle: Kieler Nachrichten online vom 20.11.2004]